Ein großer Tag im Schloss Ratibor Roth

Ein großer Tag im Schloss Ratibor Roth

Diejenigen, welche die Geschichte „Die Strickleiter im Kuchen gelesen haben, kennen ihn bereits – unseren „wilden Markgrafen“ Karl Wilhelm Friedrich zu Brandenburg-Ansbach. Und sie wissen auch, dass er gerne prunkvoll lebte und ahnen vielleicht auch, dass er gerne ebensolche Feste feierte. Gerne suchte er sich für diese Angelegenheiten auch immer wieder das Schloss Ratibor in Roth aus.

Lasst euch also entführen in den 28. September 1731 und erlebt mit dem Junker aus Seckendorff die prachtvolle Geburtstagsfeier der Markgräfin und lernt das Schloss ein wenig näher kennen. Ihr Wunsch war es, ihren 17. Geburtstag im Schloss Ratibor gebührend zu feiern. Drei Jahre war sie zu diesem Zeitpunkt bereits mit Karl Wilhelm Friedrich verheiratet. 

Ich kann es kaum glauben, heute ist es endlich soweit, wir brechen mit dem gesamten Hofstaat nach Roth auf. Wie sehr freue ich mich auf die bevorstehende Feier und die Hetzjagd mit dem Markgraf am nächsten Tag. Wie es wohl im Schloss Ratibor aussieht? Ebenso prunkvoll wie hier? Schloss Ratibor, was für ein merkwürdiger Name… Es geht los, die Pferde sind gesattelt, die Kutschen bereit. Wir kommen an. Ich staune nicht schlecht, ich stehe vor dem mächtigen Tor an der Ostseite und hier ist eine überaus kostbare Gedenktafel angebracht. Ich erfahre, dass sie der frühere Markgraf Georg für seine drei Gemahlinnen hatte anbringen lassen. Als ich nun den Schlosshof betrete, schaue ich auf das Tor gegenüber und auf den Hauptbau, der sich in drei Stockwerken darüber erhebt. Schon von außen ein mächtiger Anblick. Links und rechts davon sind noch zwei Flügelbauten. Im nördlichen sind wohl die Stallungen, denn die Bediensteten, die uns in Empfang nahmen, bringen gerade unsere Pferde dorthin. Ich stehe noch staunend im Schlosshof, während der Markgraf bereits die Gräfin ins Haupthaus führt. Oh, ein alter Diener, den kann ich sicherlich eine Frage stellen. „Sagen Sie, können Sie mir erklären, woher der merkwürdige Name dieses Schlosses kommt?“ „Wenn Sie am Schlosseingang die Bronzetafel lesen, dann können Sie den Namen deuten. Markgraf Georg der Fromme regierte hier vor ungefähr 200 Jahren und er hatte im fernen Schlesien die Fürstentümer Oppeln und Ratibor erworben. Aus den Steuern, die er dort einnahm, lies er dieses Schloss erbauen und nannte es deshalb so.“ Ich bedanke mich beim Diener und gehe weiter, damit ich noch etwas Zeit habe, mir die Zimmer im Schloss ein wenig anzusehen. Ich bin wirklich sehr erstaunt. Dass in Ansbach alles so überaus prunkvoll ist, das bin ich ja gewohnt, aber dass auch hier, in diesem kleinen Städtchen so eine Pracht zu finden ist, das hätte ich nicht gedacht. Ich gelange am Prunksaal an und als ich die großen Türen öffne, bin ich schier geblendet von der Größe und Schönheit. Zwei prächtige Kristallleuchter, die über und über mit Kerzen besteckt sind, hängen von der Decke. An den Wänden sind bunt gewebte Teppiche angebracht und die goldene Zimmerdecke schmücken wundervolle Gemälde. Ich höre die Kirchturmuhr läuten. Jetzt aber schnell. Ich streife mein Festgewand über und dann auf zum Herrn Markgraf, um ihm behilflich zu sein. Als ich ankomme, wird dem Markgrafen gerade noch die kostbare Schnalle nachgezogen, die seinen kunstvoll geflochtenen Zopf ziert. Er trägt seidene Kniestrümpfe zu den weisen seidenen Kniehosen, eine goldbestickte Weste und einen grünen Samtrock. Der Hofmarshall kommt herbei und meldet, dass alles bereit ist. Wir schreiten mit dem ganzen Gefolge aus Herren und Edelknaben voran zu den Gemächern der Frau Markgräfin, wo diese bereits mit ihren Hofdamen wartet. Was für ein Anblick! Eine schöner als die andere, mit ihren prächtigen Reifröcken, ihren Spitzenhandschuhen und dem wunderschönen Schmuck. Wir verbeugen uns tief vor den Damen und der Markgraf führt seine Gräfin in den Festsaal. Vor dem Prunksaal hält der Markgraf an. Der Hofmarshall tritt in den Saal und klopft mit seinem geschnitzten Stab, den oben eine goldene Kugel ziert, dreimal auf den Boden und kündigt das Kommen des Fürstenpaares an. Die Männer im Saal verbeugen sich tief und die Damen versinken in einen Knicks. Die Hofkapelle spielt einen feierlichen Marsch und der Graf und seine Gemahlin ziehen in den Saal ein. Sogleich beginnt die Begrüßungsrunde, bei der alle anwesenden Paare vor das Fürstenpaar treten und der Gräfin ihre besten Glückwünsche anlässlich ihres Geburtstags überbringen. Die Markgräfin hatte zu diesem Anlass gewünscht, dass auch Vertreter der Stadt Roth anwesend sind, welche normalerweise keinen Zutritt zu solchen Feierlichkeiten haben. Ich suche mir eine von den liebreizenden Hofdamen zum Tanz, denn die Hofkapelle beginnt auf Befehl des Markgrafen ein Menuett zu spielen. Bevor es im Programm weiter geht, erfrische ich mich mit ein paar Köstlichkeiten, welche die Diener auf silbernen Tabletts servieren. Ein Tusch. Zu einer zarten Melodie schweben nun eine Schar junger Mädchen als Schmetterlinge gekleidet in den Raum und führen einen Frühlingstanz auf. Die Markgräfin hat sich für ihre Gäste allerhand einfallen lassen. Nach weiteren Unterhaltungen kommt nun das Beste zum Schluss. Begleitet von den Edelknaben habe ich die Ehre, die Fahne zu tragen, die feierlich durch den Markgraf an die Rother Bürger übergeben wird. Das besondere an der Fahne ist, dass sie eigens von der Markgräfin bestickt wurde. Die Rother Bürger wissen gar nicht, wie sie sich für diese Ehre bedanken sollen und sind sehr stolz. Den Abschluss findet das rauschende Fest in einem prachtvollen Feuerwerk. Es ist bereits nach Mitternacht und die Gäste sind mit ihren Kutschen auf ihrem Heimweg. Todmüde streife ich meine Kleider ab und sinke in mein Bett. Im Halbschlaf reite ich schon mit dem Markgrafen durch die Wälder und freue mich an der Hetzjagd.

Redaktion Jessica Kitzan     
Quelle: Geschichten der Heimat

Hilpoltstein, 04.06.2020

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