Interview mir Alex(Z)ander

Hilpoltstein, 11.06.2020 – JK

 

Liebe Leserinnen und Leser,

lesen Sie heute in unserer Kategorie Interview die Geschichte von Alexander Schalber-Müller, der sich mit dem Kauf eines historischen Gebäudes seinen Traum von der eigenen Fischzucht verwirklichte und damit einem alten, geschichtsträchtigem Gutshof wieder neues Leben einhauchte und damit die Geschichte für nachfolgende Generationen weiter schreibt…

Alexander: Ganz kurz zu meiner Geschichte. Ich bin tatsächlich einfach ein gelernter Koch. Ich war zehn Jahre lang in der Gastronomie beschäftigt als Küchenchef. Tagein, tagaus ging ich in meine Küche, ging rein, ging raus und hab halt da ein bisschen vor mich hin gewerkelt. So. Die letzten drei Jahre war ich eben Küchenchef und war für den Einkauf zuständig. Parallel hatte ich so ne kleine Hobbyfischzucht, so zwei kleine Teiche, nichts weltbewegendes. Und dann hab ich halt mal angefangen, meinen eigenen gezüchteten Fisch aus meiner Hobbyfischzucht mit auf die Arbeit zu nehme. Den hab ich dann gekocht. Hab ich quasi selber für mein Restaurant meinen eigenen Fisch bestellt und gekauft. Eigentlich auch ganz cool. Ja hab den Fisch also zubereitet und dem Gast mal serviert. So, was hat der Gast gesagt? Boah, wo ist denn dieser Fisch her? Wo gibt’s denn den zu kaufen? Dann dacht ich mir, wo gibt’s denn den eigentlich zu kaufen? Weil damals war das Problem, als ich für den Einkauf noch zuständig war, dass man tatsächlich im Großraum Nürnberg nicht wirklich richtig frischen, guten Fisch bekommt. Und dadurch, dass ich in der Gastronomie viel unterwegs war, hat das allmehlig die Runde gemacht. Und die ganzen Gastronomen haben mich dann gefragt, Mensch, kann ich auch mal was von deinem Fisch haben? Innerhalb von ein paar Wochen waren dann meine privaten Teiche leer. Ich hatte keinen mehr. Was hab ich dann gemacht? Als Küchenchef war ich langfristig gesehen sowieso unglücklich, weil ich mehr gemacht habe, als der eigentliche Besitzer dieses Restaurants. Und dann dacht ich mir, Mensch, das wäre doch eine Marktlücke, wenn‘s nicht nur mir so geht, sondern auch anderen Leuten, diesen Nutzen auch anderen zu bieten und zu sagen, warum kann ich nicht mehreren Menschen richtig guten Fisch auf den Teller bringen, der nicht irgendwo aus dem Atlantik her gekarrt werden muss. So kam eins zum anderen. Ich hab geschaut, was gibt’s denn für Möglichkeiten, ja was mach ich denn so…und wies der Zufall so will, damals war ich gerade frisch bei BNI, durch einen Geschäftskontakt kam da jemand an mich heran, der gesagt hat, Mensch, ich kenn da jemanden, der verkauft so ne kleine Mühle mit ein paar Teichen. Paar Tage später dachte ich mir, was hab ich zu verlieren? Ich schau mir das Ganze mal an. Jetzt war ich dort vor Ort, jetzt war das Ganze ein bisschen größer dimensioniert, als ich mir das ursprünglich gedacht hatte. Es ist nämlich ein alter Gutshof tatsächlich. Ein alter Gutshof von 1680. Kann man auf Wikipedia mal nachgoogeln. Die Obermühle bei Kirchensittenbach ist nämlich ein geschichtsträchtiger Ort, wurde auch schon verfilmt. Der Roman Via Mala sagt dem ein oder anderem vielleicht was. Und das hab ich mir eben jetzt vor gut eineinhalb Jahren gekauft, diesen Gutshof. Sind ordentlich Fischteiche dabei, ist richtig schön am Bach, am Sittenbachtal gelegen. Und dann dacht ich mir, Mensch, was für eine geile Location. Was kann man denn da alles für geile Sachen draus machen? Und, umso länger ich mich mit dem Gedanken beschäftigt hab, umso mehr Möglichkeiten, umso mehr Ideen sind dann da in mir raus gekommen. Das ich gedacht hab, is mir scheißegal, was das kostet, ich kauf mir jetzt diesen Gutshof. Wie es natürlich so ist, wenn keiner aus der Familie selbstständig ist, raten die erst mal davon ab. Ne, mach des net, zu groß, zu gefährlich, zu viel Arbeit, bla blub, was man halt so kennt. Ist mir egal gewesen. Da bin ich ein kleiner Sturkopf, wills trotzdem machen. Ja, und dank BNI, den vielen Unternehmern, die ich da kenn. Sei es Handwerker, sei es andere unterstützende Tätigkeiten, die mir da wirklich geholfen haben, hab ich jetzt seit letztem Jahr auch einen eigenen Hofladen, ich hab ne Fischzucht etc. Und durch diesen Gutshof gibt’s jetzt echt super Sachen, die man da machen kann. Warum hab ich eingangs gesagt, die Welt verbessern? Klingt jetzt erst mal hochgestochen. Es ist aber tatsächlich so, ich möchte die Menschen dazu bewegen, einfach mehr Bewusstsein zu bekommen, für Dinge, die schon da sind, vielleicht sogar vor der eigenen Haustür schon sind. Sprich, ein größeres Bewusstsein schaffen, für Lebensmittel zum Beispiel. Für Nachhaltigkeit der Natur gegenüber. Das heißt, warum muss ich denn meinen Lachs aus der Massenzuchthaltung im Atlantik kaufen, wenn ich doch zehn Kilometer weiter entfernt eine schöne Lachsforelle kaufen kann? Gut, die ist natürlich nicht so fett, nicht so fettig, ist vielleicht auch nicht so groß, etwas schwieriger zuzubereiten, aber sie ist halt erst zwei, drei Stunden aus dem Wasser und nicht schon zwei Wochen. Weil bis man merkt, dass ein Lachs nicht mehr richtig frisch ist, dauert es zwei Wochen, erst dann merkt man es. Ihr habt bestimmt schon mal nen Lachs im Supermarkt gekauft. Hat er dann nach Lachs gerochen? …Nach Fisch…Genau. Fisch, der nach Fisch riecht, ist nicht mehr frisch, so einfach ist es. Das ist eben was, wo ich sag, das ist meine Vision. Ich möchte den Menschen, vor allem auch den jungen Menschen beibringen zu sagen, schau doch mal was da ist und mach daraus was, wie der Franke sagt „gscheits“. Warum muss man immer so weit weg schauen, wenn viele Dinge eigentlich schon da sind. Ich glaube mit der Obermühle habe ich einen kleinen Kulturschatz für mich persönlich gefunden, den ich Stück für Stück immer größer aufbauen möchte.

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