Geschichte – „Das Leben leicht tragen und tief genießen, ist doch die Summe aller Weisheit“

Liebe Kulturschätzer.innen,

heute entführen wir in eine Geschichte, in welcher wir hören, wie das Leben eines Gebäudes die Geschichten der Menschen beschreibt und selbst erlebt hat.

In dieser Kurzgeschichte geht es um Morbert, das historische Bauernhaus aus Falzhofen. Falzhofen liegt in mitten der Täler und Auen des urigen Bayerns. Die Flora und Fauna die Morbert umgibt, wächst bereits seit Jahrmillionen. Die hohen Eichen die wild im gemischten Wirr der Fülle des Waldes stehen, spenden dem nahe liegenden Morbert einen breiten Schatten und machen ihm den Sommer erträglich. Denn seine spitzen Biber, die sein steiles Dach säumen, erhitzen seinen Spitzboden ungemein – seine Bewohner, Familie Müller genießen jedoch diese sommerliche Wärme. Um Morbert fließt ein kleines, schnelles Bächlein, welches sein Schaufelrad antreibt, welches heute noch in Funktion steht, doch den urtümlichen Sinn seines einstigen Besitzer nicht mehr erfüllt – Das Mehl zu mahlen, welchen die Bauern der Umgebung täglich in Form von Weizen, Roggen und Dinkel ankarrten und in ihrer samtigen Wonne wieder davon trugen. 

Morbert sinnierte über den Spruch, die sein früherer Herr Schonkurt Junior immer zitierte, als er die Wärme der Sonne auf seine Nase fühlte, wenn er einen Reißaus anstellte und vom Vater in die Freiheit flüchtete: „Das Leben leicht tragen und tief genießen, ist doch die Summe aller Weisheit“. Schonkurt Junior, verbrachte gerne seine Zeit mit seiner ehrwürdigen Oma Stella – sie war eine heilige und genügsame Frau – die gemeinsam mit Ihrem Mann – seinem Opa das Mülllershaus erbaute und Morbert das Leben gab – welches er heute noch, nach über fünf Generationen Menschen leben darf. 

Der junge Schonkurt ließ diesen Spruch seiner Oma, in das Riegelholz des Fachwerkgiebels vom erfahrenen Zimmerermeister Holzmichl einritzen. Morbert erinnert sich gerne an diesen Tag zurück, es war der 17. Juli 1789. Eine Taube brachte gerade Nachricht aus Frankreich, dass hier große Geschehnisse die Welt verändern werden… die Französische Revolution. Taubi sollte recht behalten, nur wenige Jahrzehnte später wurde in Bayern die Demokratie eingeführt… nach blutigen Bürgerkriegen und vielen Toten, darunter auch seine herzlichen Eltern, die Müllers Familie Schonkurt, mit der lieben Oma Stella und dem jungen Schonkurt, der sich immer gern die Nase von der Sonne wärmen lies. 

Heute, viele Jahrzehnte und Veränderungen später steht Morbert in voller Pracht dar. Sein kunstvoll saniertes Dachgeschoss wird von den vielen Wanderern bestaunt und fotografiert. Sein sich noch immer drehendes Wasserschaufelrad bringt das Wasser in Wallung und die kleinen Wunderskinder in Verzückung. Und dann und wann, steht ein junger Mensch vor seiner Tür und liest mit großen Interesse, die Worte von Oma Stella: 

„Das Leben leicht tragen und tief genießen, ist doch die Summe aller Weisheit“. 

CT, Schmidt-Bäcker – Hilpoltstein 05. Juni 2020

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