„Die Ochsenwirtkapelle“

Hilpoltstein, 02.05.2020

 

Dies ist eine kurze, tragische Geschichte… In Hilpoltstein im Stadtpark steht eine kleine Kapelle. Sie wird die Ochsenwirtkapelle genannt. Im weiteren Verlauf erfahrt ihr warum…

Wir befinden uns im Jahre 1784, wo die Sitten noch etwas anders waren und es noch rauer zu ging. Folter wurde mitunter als Beweiserhebungsverfahren eingesetzt und für ein Vergehen konnte man hingerichtet werden. So geschah es auch am 16.10.1784 mit dem jungen Bauer Josef Heindl aus Meckenhausen, der weitläufig „der Ochsenwirt“ genannt wurde.

„Josef Heindl, ihr werdet angeklagt unseres Grafen Magd erstochen zu haben.“ lautete der Vorwurf der Anklage.

„Ich war’s nicht, wirklich nicht!“

„Kaltblütig habt ihr die Magd mit einem Dolch erstochen und an Ort und Stelle liegen gelassen.“

„Ich war’s nicht, wirklich nicht! So glaubt mir doch!“

„So sagt uns allen, warum habt ihr die Magd des Grafen ermordet?“

„Ich war’s nicht, wirklich nicht! Ihr kennt mich doch alle. Ich war’s nicht!“ beteuerte Josef immer wieder.

„Lügner! Mörder! An den Galgen mit ihm!“ schrie hingegen die aufgepeitschte Menge in der Stadt.

So wurde also das Urteil verkündet: Josef Heindl würde noch am selben Tag am Galgen erhängt werden.

Der Landwirt Georg hatte die Urteilsverkündung in Hilpoltstein mit verfolgt und kehrte gerade zurück nach Grauwinkl. Dort herrschte Verwirrung über das Urteil, denn in Grauwinkl saß gerade der junge Bauer Franz, der bitterlich weinte „Ich hab die Magd des Grafen von Hilpoltstein umgebracht. Ich wollte es nicht. Sie war außer sich vor Wut und ging mit einer Mistgabel auf mich los. Sie drängte mich in die Ecke und war wie von Sinnen. Hätte ich sie nicht erstochen, dann hätte sie es mit mir gemacht. Ich konnte nicht anders.“

Landwirt Georg war aufgebracht „Der Ochsenwirt wird gerade wegen diesem Vergehen in Hilpoltstein hingerichtet! Schnell, ein Pferd!“

Der Landwirt ritt so schnell es ging in die Stadt hinein. Doch als er ankam, sah er Josef bereits am Galgen hängen.

„Was für ein Unglück! Ihr habt den falschen gerichtet. Der richtige Mörder sitzt in Grauwinkel und weint. Es war Notwehr!“

Um ihren Irrtum zu bedauern schlug der Richter vor, eine Kapelle für Josef Heindl zu errichten. Das taten sie dann auch. Alle halfen mit und gaben der kleinen Kapelle den Namen Ochsenwirtkapelle.

„Wer entscheidet, behält die Macht über sein Leben. Wer richtet, muss entscheiden und die Konsequenzen aus seiner Handlung akzeptieren, ob gut oder schlecht!“  – Cornelius Tarnai

JK

(Bilder Pixabay)

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