Die Philosophie: Leben und Tod | Sanierung und Verfall

Liebe Kulturschätzerinnen und Kulturschätzer,

ich lade euch heute ein, zu einer etwas ernsteren Philosophie. Eine Philosophie zum Tod. Der Tod und das Leben – untrennbar miteinander verbunden, nur verdrängen wir das im Alltag meist. Wer denkt schon gerne an den Tod? Macht er uns doch auch unsere eigene Vergänglichkeit bewusst. Eine begrenzte Zeit, mit Anfang und Ende…das ist unser Leben…und keiner weiß vorher, wir lange diese Zeit sein wird, die uns geschenkt wird. Zum Glück! Kennen Sie das? Wenn man gerade etwas sehr geniest, z.B. bei einer wunderbaren Massage liegt und irgendwann kommt einem der Gedanke in den Kopf „Oh nein, schade, bald wird diese tolle Massage vorbei sein“. Und dann geniest man schnell noch weiter, wohl wissentlich, dass es eine begrenzte Zeit ist. So ist es auch mit unserem Leben…Die Punkte an denen uns bewusst wird, dass auch unsere Zeit hier auf der Erde begrenzt ist, sind meistens Zeiten, in denen wir in irgendeiner Weise mit dem Tod konfrontiert werden, z.B. wie jetzt durch die Corona Krise. Uns Menschen werden Grenzen aufgezeigt…aber ist der Tod eine Grenze? Ist er eine Grenze die überschritten werden kann? Glaubt man an Gott und die Geschichte von Jesus, dann lautet die Antwort wohl Ja. Vor was fürchten wir uns also dann?

Weil ich gerade von Grenzen spreche, kommt mir der Gedanke an die Horizontlinie in den Sinn. Eine wunderbare Geschichte erzählt davon, wie ein Schiff mit seinen Passagieren im Hafen ablegt. Freunde und Verwandte der Passagiere stehen an der Promenade und winken ihren Lieben hinterher. So lange, bis das Schiff hinter dem Horizont verschwunden ist. Es ist dann für die an Land gebliebenen nicht mehr zu sehen, aber wir wissen, es ist dennoch nicht einfach weg. Es ist noch da, nur dort, wo wir es nicht mehr sehen können.   

Aber zurück zu unserer begrenzten Zeit und damit verbunden dem Sinn unseres Lebens. Was ist denn der Sinn des Lebens? Hat jeder seinen eigenen kleinen Sinn im Leben? Darüber könnte man jetzt natürlich ewig philosophieren…Ich denke, letztendlich kommen wir wieder auf eins zurück: die Liebe! Die Liebe ist das, was am Ende übrig bleibt, wenn man alles andere weg nimmt. Deshalb lebt in Liebe und lebt eure Liebe…zu anderen Menschen, zu Tieren, zu Pflanzen, zu euren Leidenschaften, zu allem, was euch erfüllt und begeistert. 

Wie ist es denn mit historischen Gebäuden? Sterben auch sie, wie wir Menschen? Jeden Tag wird vermutlich irgendwo auf der Welt ein altes, vielleicht historisches Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. Der Abriss eines Hauses geht Dank den riesigen Maschinen  unserer Zeit ruck zuck. Ein paar Tage und nichts mehr ist von dem zu sehen, was einst dort stand. Nichts mehr von dem Zeugnis der Kraft und Mühe, die es doch einst gekostet hatte, das Gebäude zu errichten. Es war nicht unsere Kraft und Mühe, sondern die unserer Vorfahren. Sterben die Gebäude also, so wie auch die Menschen gestorben sind, die sie errichtet haben? Nicht alle, manche haben Glück. Entweder, weil sie so bekannt sind, dass sie als Kulturerbe anerkannt sind, oder weil sie einen Besitzer haben oder finden, der Liebhaber ist und sie erhält und pflegt, indem er sie saniert. Manche Gebäude sind so alt, dass man sagen könnte, ihre Erbauer haben sich ein Denkmal für die Ewigkeit errichtet. Aber wenn man es sich recht überlegt, sind eigentlich nur die Gebäude bekannt und nicht ihre Erbauer…oder wisst ihr, wer den Kölner Dom, den Eifelturm oder den schiefen Turm von Pisa erbaut hat? Wir können es auch kleiner halten…wisst ihr, wer die Burg oder das historische Fachwerkhaus in eurer Stadt erbaut hat? Schade eigentlich, denn oft stecken unglaublich tolle und spannende Geschichten dahinter…aber deshalb sind ja wir da – denn wir werden sie euch erzählen! Aber das, ist ein anderes Thema…

Letztendlich kommen wir auch hier wieder an einen Punkt: die Liebe. Durch die Liebe und Leidenschaft von Menschen können alte Gebäude erhalten werden und somit wird auch die Wertschätzung für die Erbauer dieser „Denkmäler“ immer weiter erhalten und kann von Generation zu Generation fort bestehen und so als Zeugnis unserer Geschichte dienen. Egal wohin wir gehen, wir sollten nie vergessen woher wir kommen und wo unsere Wurzeln sind. Und damit meine ich nicht nur unsere familiäre Herkunft sondern eben unsere globale Weltgeschichte. Wenn wir das nicht vergessen und die Werte unserer Vorfahren erhalten, haben wir somit auch ein Stückchen den Tod überwunden. Wir haben hier in unserer Welt noch eine greifbare und sichtbare Erinnerung  von den Menschen, die hinter der Horizontlinie sind und die wir gerade nicht mehr sehen können.

JK 23. April 2020

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