Interview mit Baubiologen Dippold

                                                                                                                                                             09.04.2020

Liebe Leserinnen und Leser,

heute geht es in unserem Interview um einen sehr interessanten Arbeitsbereich – nämlich den, der Baubiologie. Wissen Sie, was ein Baubiologe ist und was er macht? Nicht? Wenn sie es gerne wüssten, dann empfehlen wir Ihnen die Ausführung von Herrn Dippold zu lesen, die im Rahmen des Interviews vom diesjährigen KSDR Vision Day entstanden sind. Wir wünschen Ihnen viel Spaß dabei.

Hr. Dippold: Ich möchte erst einmal erklären, was ein Baubiologe ist. Das ist ein Mensch,  der sich darum kümmert, dass die Leute keinen giftigen Schadstoffen ausgesetzt sind, bzw. wenn sie drin sind in den Gebäuden, dass man sie findet und wieder raus bekommt und dass man gut in seinen vier Wänden leben kann. Das ist zentral. Wenn irgendwas am Haus nicht passt, wenn‘s zu arg durchzieht, wird man krank, wenn‘s zu heiß ist, wird man auch krank, wenn die Luft schlecht ist, wird man auch krank. Baubiologie hat auch was mit Ökologie zu tun, denn es ist essentiell, dass die richtigen Baustoffe richtig verwendet werden und nicht dann immer wieder neues Kunststoffmaterial auf die Baustellen kommt und in die Häuser eingebaut wird, was nach fünf Jahren wieder kaputt ist und dann wieder ausgebaut werden muss. Das ist unökologisch, wenn man es wieder wegschmeißen und ersetzen muss. Und es ist auch unökologisch, wenn diese modernen Materialien irgendwelche Schadstoffe abgeben, die die Leute in ihrer Gesundheit beeinträchtigen. Das ist völlig unökologisch, wenn viele Baumaterialien unglaublich viel Co2 erzeugen. Wie z.B. Beton, das braucht CO2 ohne Ende. Wenn man dagegen einen Baum nimmt, der hat das CO2 ja schon gebunden und der hält mindestens so lang, wie der Beton. Es ist auch unökologisch, dass die Betongebäude alle nur für 30 Jahre gebaut sind und dann werden sie wieder abgerissen und dann versucht man wieder was Neues hinzustellen. Baubiologie hat also auch was mit Ökologie zu tun, mit den richtigen Baustoffen und der richtigen Verwendung. Und deswegen muss ich jetzt auf die Römer zurück kommen. Die Römer haben nicht alles schlecht gemacht, die haben z.B. Fußbodenheizungen gehabt und sie haben Wandflächenheizungen gehabt, die bei den Leuten heutzutage am besten überall wieder eingebaut werden sollten. Meistens scheitert das mit der Wandflächenheizung, weil die Leute es gar nicht wissen, obwohl es das Beste ist, weil dann die kalten Wandflächen eben die Wärme abgeben und man es vor der Wand nicht sieht. Aber da kommen immer mehr Leute drauf, dass es so etwas gibt. Die Römer haben mit Beton gebaut. Der ist aber so gut gewesen, dass es immer noch Betonbauten gibt, die seit 2000 Jahren stehen. Also man kann von den Römern schon was lernen, sollte man vielleicht auch tun. Man sollte modernes Wissen einfließen lassen und die alten Sachen sollte man trotzdem wieder mit verwenden, also Strohballenbau, Holzständerbauweise, Lehmbau…das ist essentiell baubiologisch, da gibt es gar keine Frage. Wer so baut, der kann eigentlich nicht viel verkehrt machen. Wenn er doch was verkehrt macht, dann kommen solche Leute wie ich, denn ich bin hauptsächlich als Baubiologe sachverständiger Gutachter für Schimmel und Wasserschäden und wenn Schadstoffe in Gebäuden sind und wenn man mit Wasser in einem Holzgebäude oder in einem Stroh – oder Lehmgebäude nicht richtig umgeht, dann kann’s Schimmel geben. Das gibt’s auch in anderen Gebäuden, wo z.B. Trockenbauplatten verarbeitet werden. Leider ist es so, dass die meisten Leute erst zu mir kommen, wenn der Schaden schon da ist. Gerne hätte ich, wenn die Leute zu mir kommen und sich beraten lassen, dass sie dann gute Häuser bauen, in der richtigen Art und Weise, ohne irgendwelche Schadstoffe einzubauen, ohne Schimmel zu haben. Aber die meisten Leute werden halt erst aus Schaden klug.

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