Günter Mainka – Schmiede Meister mit Starker Hand und brennenden Herz für Metall

Visionday 01. Februar 2020 im Schloß Eysölden  – Vision von Günter Mainka

Liebe Leserinnen und Leser,

die wunderbare Ausführung von Günter Mainka am Visionday möchten wir euch heute nochmal in schriftlicher Form zur Verfügung stellen. Wie ihr bereits wisst, dreht sich bei Kulturschätze deiner Region alles um historische Gebäude. Zu unseren Kulturschätzen zählen wir aber auch Geschichte und Geschichten, Brauchtum, Traditionen und insbesondere auch das Handwerk. Günter Mainka praktiziert ein uraltes Handwerk – das Schmiedehandwerk –  und hat Interessantes zu berichten. Aber lest selbst…

CT: Visionen – wenn sie zusammenkommen! Der nächste Gast ist ein Hochkaräter. Günter Mainka, der Schmied mit Herz, der den Hammer mit Schwung führt.

GM: Ich sage es immer zu den Leuten, die fragen: „Was machen wir eigentlich bei Dir?“ „Wir quälen Eisen!“

CT: „Wir quälen Eisen!“ Deine berühmte Vision für die Welt da draußen und ich freue mich sehr, jetzt von ihr zu hören.

GM: Meine Vision für diese Welt da draußen fängt in einer Zeit an, in der die Welt Eisen noch nicht kannte. Diese Welt hat noch glückliche Tage erlebt. Diese Welt kannte noch keine Umweltverschmutzung, sie kannte noch genügend Nahrung für alle. Es gab zwar Kriege, es gab zwar Streitereien, es war, sagen wir mal so, nicht immer friedlich. Aber mal anders gesagt, hätte man damals schon überlegt, wohin das ganze geht, hätte man wahrscheinlich anders gedacht. Ich sage ganz einfach, Umweltverschmutzung. Ich sag einfach mal bei mir, bei meiner Leidenschaft, wenn ich Schmiedekurse mache, die ich demnächst durchführen werde, dann ist aber die Geschichte mit dabei. Wir hauen nicht nur wie blöd auf dem Eisen herum und machen irgendwas, sondern ich werde die Leute in der Runde ganz einfach fragen: „Wann fing der Mensch an mit Eisen zu arbeiten? Wann entdeckte er das Eisen? Wann?“

Gast: „Keine Ahnung!“

GM: So antworten viele Menschen.

Das Eisen ist ganz am Anfang in einem Land zu suchen, dass man heute Zweistromland nennt, Ur-Mesopotamien. Das liegt im heutigen Syrien, im heutigen Babylon.

Die Tempel leuchtend ausstaffiert, leuchtende Farben. Ich sage so ganz einfach, da war ein Baumeister auf der Suche nach einem neuen Farbstoff, der noch leuchtender, noch kräftiger ist als der alte. Und so ist man auch an Stein gekommen, viele Dinge waren damals Oxide, oder bunte Steine, die man gebrannt hat und dann zermahlen konnte.

Dann hat man hier entdeckt, da ist doch so ein dreckiger brauner Stein, mal sehen was dabei herauskommt, wenn man den ein wenig brennen würde. Ja gut, er wird gebrannt. Aber nicht in so Öfen, wie man sie heute kennt, wie man sich das heute vorstellt, sondern das sind so ganz einfache Öfen. Und was kommt raus? Es kommt nix heraus! Weil derjenige, der auf den Ofen aufpassen sollte am Schluss sagt „Sch…., jetzt ist mir der Ofen durchgegangen!“ Aber, er versucht noch was zu retten. Aber jetzt war da auf einmal im Ofen so etwas Silbriges drin, ziemlich schweres Zeug, und sauhart! Was machen wir denn jetzt da? „Jetzt hau ich es erst mal klein und versuche, noch ein paar Teile zu machen, vielleicht kann ich ja doch noch was retten.“

Und so ist eigentlich das entstanden, was ich auch mit Leuten zusammen machen möchte, der Mehrschichtstahl. Weil der Stahl damals verschiedene Härten hatte: weich, hart, zäh, spröde. Und mach mal etwas aus einem spröden Stein! Willst Du mit einem spröden Messer etwas schneiden, knacks, weg ist es. Willst Du mit einem weichen Messer etwas schneiden, Mist, das schneidet ja überhaupt nicht, sondern verbiegt sich nur.  Und so müsst ihr euch vorstellen, hat man versucht, irgendwie das Beste daraus zu machen.

Wenn man es zusammenschmiedet. Aber das ist erst viel, viel später passiert.

Ich sage, unsere Industrialisierung beginnt um 800 v.Chr. Und von da an hat sich die Umwelt dermaßen, was Kohlendioxid und Kohlenmonoxid betrifft, gewaltig verschlechtert.  Dann sind auch noch die Römer gekommen und haben ihre Thermen angeheizt. Wenn man sich überlegt, so eine Therme hat bis zu 24 Steher Holz am Tag gefressen. Und in der Umgebung der Thermen war nichts mehr da, kein Wald, alles verköhlert. Dann wurde das Holz aus Italien geholt, weil das eigene nicht mehr gelangt hat und immer noch mehr Umwelt kaputt gemacht.

Ihr seht also, ich mache Eisengeschichte mit Leidenschaft. Das heißt ich möchte den Leuten einfach die Geschichte rüberbringen, damit auch die Leute verstehen, wie Eisen unsere heutige Zeit verändert hat. Und leider ist uns komplett der Sinn verloren gegangen, wie schwierig es eigentlich ist, ein Kilo Eisen zu erzeugen und zu bearbeiten.

Der Zimmerer hat ein gutes Beispiel zu sagen. Ich weiß von einem Freund, von der Fränkischen Holzschmiede, der hat gesagt: „Du musst Dir mal eins überlegen, das alte Fachwerkhaus ist zweimal aufgebaut worden. Am Richtplatz aufgebaut, dann wieder zerlegt worden und dann aufgebaut worden, wo es hingehört.“ Aber wie baust Du es am Richtplatz auf? Mit Nägeln zusammenhauen? Nee hat er gesagt, Klammern! So und so viele Klammern und bis ich weiß, wo ich welche Klammer brauche, muss ein Zimmerer reden. Er sagt, ich brauche da die Klammer und da die Klammer. Die Klammer muss dieses aushalten und diese Klammer muss jenes aushalten.

Und was macht der Schmied? Der muss erst einmal einhandeln. Das ist nicht so wie heutzutage, dass Du in ein Geschäft gehst und sagst, ich brauch ein Kilo Nägel und hier 2€ und passt schon. Nein, das war manchmal ein Prozess von bis zu 2 Jahren. Und das war nicht einfach. Denn der Stahl war damals noch nicht so wie heute.

Ich sah es an einem alten Ausleger, den wir für eine Gaststätte in Schwanstetten machen durften, seine Konstruktion. Dieser Stahl bestand aus 4 verschiedenen Sorten Stahl. Grobkörnig, aber sowas von grobkörnig, dass er auseinandergeplatzt ist, wenn man hingehaut hat. Dann war einer dabei, der war so butterweich, den hast du mit dem Fingernagel zerkratzen können. Und dann war auch noch einer dabei, der war feinkörnig, der wäre ideal gewesen, aber da waren nur 10 cm drin. Und das ist das Problem gewesen! Nicht einheitlich. Aber der Schmied hat es draufgehabt, das Material richtig zu kennen und zu verbinden und zu führen.

Und drum sage ich immer: „Wer sich´s traut, einmal selbst die Erfahrung zu machen, kommt zu mir, probieren wir es miteinander aus!“ Wir können mal einen Ein-Tages-Crash-Kurs machen, wo man mal das Feuer und die Steinkohle kennenlernt. Wo man mal das Schmieden und den Hammer kennenlernt. Die Zangenführung oder die Stange. Oder eben auch hier dann, wer Lust hat, mit alten Maschinen, richtig schönen alten Schmiedemaschinen, dann kommt vorbei. Dann versuchen wir es miteinander und du machst in 3 Tagen dein eigenes Damast Messer. Das ist machbar! Kein Damast gekauft – selbst gemacht! Und ich sag Damast, selbstgemacht, ist auch für mich heute noch, was mein Herz höherschlagen lässt.  Danke.

CT: Das war…., ich mein…., also ….! Ich bin geplättet. Das war echt wunderschön. Ich habe noch nie jemanden die alten Römer so verfluchen gehört. Also, dass die alten Römer den Hannes sein Material genommen haben und damit ihre Hintern angeheizt haben. Wie du deine Leidenschaft hier auf die Bühne gebracht hast, einfach super. Ich muss sagen, da spürt man, du liebst dein Handwerk. Und du hast ja auch erzählt, als wir zusammen auf dem Zimmerersabbundplatz waren und ich habe dich da in der Schmiedekutte gesehen, wie du mit dem Zimmerer sprichst und über die Nägel und da hast du gesagt: „Die Nägel früher waren natürlich kostbar.“ Jeder Nagel hatte einen eigenen Namen. Der hatte eine eigene Taufe. Und heute wird ja damit inflationär auf den Baustellen umgegangen. Glaub mir, ich kenne das. Aber ich kenne das auch noch anders, denn ich war früher mit meinem Papa, der Trockenbauer ist, auf den Baustellen unterwegs. Und wir haben keine Nägel in den Taschen gehabt, sondern Schrauben. Und immer, wenn ich die Decken gerade festgebohrt habe und mir eine Schraube  runtergefallen ist, habe ich gedacht, ist ja egal, ich habe ja noch 200 Schrauben in meinen Taschen.  Dann kam mein Vater zu mir her und hat gesagt: „Wenn ich am Ende des Tages irgendeine Schraube am Boden sehe, bekommst du pro Schraube 1 € weniger Lohn. Freunde der Sonne, jeden Monat musste ich ihm Geld zahlen, dafür, dass ich für ihn gearbeitet habe. Der Playstation kam ich damit nicht näher!

Aber das ist genau die Wertschätzung, die wir trotzdem von unseren alten weisen Meistern lernen dürfen, von Dir Günter, von unseren Großeltern, unseren Eltern.

Ich fand es auch wunderschön, wie du einlädst, in deinen Schmiedekursen das Ganze zu lernen. Und hier sind wir auch wieder bei unseren Kindern, wobei beim Alexander dann die Nahrung besser kennengelernt wird, direkt vor Ort. Und hier bei Dir, ich habe mir notiert, entfachst Du das Feuer in Kinders Herzen, wenn sie das erste Mal ein Goldnugget in den Händen halten und ich weiß gar nicht, was Damast ist. Ich dachte immer, das ist eine Stadt. Damaskus?

GM: Woher kommt der Name Damast? Aus Damaskus. Aber langsam! In der Zeit um ca. 300 v. Chr. hatten die Kelten eine größere Wanderung, weil die Gebiete im Rhein-Main nicht mehr genügend Nahrung hergaben und überbevölkert waren. Dann sind sie über Spanien gezogen, Oberitalien und in der Türkei hängen geblieben, im Gebiet Galazien.

Und die Frankfurter Kelten hießen damals Galater. Und die Galater waren die Erfinder des Magic Stahls. Sie dachten, damit kann man ein gutes Geschäft machen. Und die Kelten waren schlechte Handelsleute, aber sehr gute Handwerker. „Wenn wir den ein oder anderen übers Ohr hauen, das merkt der doch nicht.“ Und dann verhandeln wir das als Damastinerstahl. Und so ist der Damastinerstahl mit schönen Mustern entstanden, erfunden von den Kelten.

Applaus.

GM. Und zum Schluss, wie meine ganze Leidenschaft begonnen hat, geschah Folgendes. In Roth, in der Ortschaft Eckersmühlen, da ist eine ganz alte Hammerschmiede. Von Fritz dem 5. Chef. Und ich durfte mit diesem Mann von 1974 bis 1981 ein paar Mal am Wochenende an den alten Maschinen schmieden. Da hast du es gelernt. Und eines Tages hat er gesagt: „Günter, was machst Du am Wochenende?“ Ich sag, brauchst Du mich? „Ja, ich brauche jeden Mann. Wir kriegen Besuch aus Unterfranken.“ Aus Unterfranken? Die Hasloch-Hammerschmiede ist heute noch eine der letzten mit Wellbaum, wo Schwanzhammer und Aufwerfhammer mit Wasser betrieben werden, eine der schönsten Hammerschmieden, die ich kenne.

Und da ist ein Hammer dabei, der hat ein Gewicht von 2,5 Tonnen. Das Teil wenn runterfällt, merkst du den gestampften Boden heute noch. Uralter gestampfter Lehmboden. Und dann fragte ich, was die bei uns machen. Und da sagte er: „Die schmieden eigentlich Glockenschläger. Mit seinem Schwanzhammer kann er das nicht machen, da ist das Teil zerbrochen, was er braucht. Und das hat es in sich gehabt, 3 Meter Länge. Und wo kam dieses Monsterteil hin? In den Kölner Dom. Da war bei der Hauptglocke der Schläger kaputt und da durfte ich mitschmieden. Und er schlägt heute noch die Glocke. Viele, viele Jahre später auf einem Weingut, dort durfte ich eine Schmiedevorführung machen, kam ein Mann zu mir, legte mir seine Visitenkarte hin und sagte: „Komm doch mal bei uns vorbei und dann weißt du, was schmieden ist.“ Da dachte ich mir, ja gut, ist in Ordnung, und legte ihm meine Visitenkarte hin und auf meiner Visitenkarte sind die Flamme und die Glut das Thema, und da sagt er: „Oh, Entschuldigung, ich dachte du bist irgend so ein Bürohengst, der das in seiner Freizeit macht.“ Da sagte ich, Moment mal, was macht ihr von Beruf? Wir schmieden Glockenschläger. Und da hat es bei mir geklingelt. Dann habe ich nachgefragt und dann brach es aus ihm heraus: „Dann bist du der Lehrling, der uns damals geholfen hat?“ Ja! Ab dem Zeitpunkt, sagte er, hast du freien Eintritt in der Schmiede hängt ein Schöpfer  und du weißt, was schmieden ist. Und so hat für mich das Ganze die Leidenschaft fürs Schmieden, die Leidenschaft fürs heiße Eisen, und ich sag einmal, fürs Gestalten, nicht umsonst heißen wir heute Metallgestalter, begonnen.

Applaus

CT: Er hat vorhin in seinem Vortrag erzählt, wie Eisen unsere Welt verändert. Nein, Günter Mainka hat die Welt unseres Eisens verändert. Vielen herzlichen Dank, Günter.

Deine berühmten letzte Worte an die Welt da draußen:

GM: Lernt, die alten Meister schätzen!

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