Die Strickleiter im Kuchen

Liebe Leserinnen und Leser,

heute befinden wir uns in Abenberg und erzählen eine Geschichte die schon von dem ein oder anderen vor uns erzählt wurde. Bekannt ist sie unter dem Namen „Die entsprungene Nonne“. Schauplatz der Geschichte ist das Kloster in Abendberg. Zeitlich befinden wir uns Anfang bis Mitte des 18. Jahrhunderts. Sozusagen der Auslöser für diese Geschichte war der Markgraf Karl Wilhelm Friedrich zu Brandenburg-Ansbach. Er wurde der „wilde Markgraf“ genannt. Dieser Name kam zustande, weil er neben den beiden Söhnen (einer starb als Kind), die er mit seiner Frau hatte, noch vier weitere Kinder (zwei Töchter und zwei Söhne) mit seiner Lebensgefährtin hatte. Seine Lebensgefährtin war Falknerstochter und ihre Beziehung entstand aus der überaus großen Leidenschaft Karl Wilhelm Friedrichs für die Falkenjagd. Für diese Leidenschaft gab er jährlich 10 Prozent des Staatshaushaltes aus. Und auch ansonsten lebte er gern prunkvoll und hat seinem Sohn Alexander, dem einzig offiziellen Erben, Schulden in Höhe von 2,3 Millionen Reichstalern hinterlassen. Unter Karl Wilhelm Friedrich wurden aber auch zahlreiche Bauten  im Fürstentum Ansbach errichtet, wie z.B. zwei Schlossbauten in Gunzenhausen, das Jagdschloss Georgental, zahlreiche Kirchen und Pfarrhäuser und die Sankt-Gumbertus-Kirche in Ansbach.

Aber kommen wir nun zur eigentlichen Geschichte…

Es trug sich zu, dass der Markgraf bei einem seiner Falkenjagdausflüge in Abenberg vorbei kam und sich das dortige Kloster anschaute. Er und sein Gefolge erhielten eine Führung im Kloster. Bei der Führung entdeckte der Sekretär des Markgrafen eine liebreizende Nonne, an die er sogleich sein Herz verlor, als er sie sah. Der Sekretär konnte an nichts anderes mehr denken und war ein wenig zerstreut. Karl Wilhelm Friedrich bemerkte dies und sprach seinen Sekretär darauf an. Der Sekretär teilte seine Gefühlswelt mit seinem Herrn und berichtete ihm, dass die schöne Nonne ihm in einem unbeobachteten Moment erzählte, dass sie gar nicht freiwillig in diesem Kloster sei, sondern gegen ihren Willen her gebracht wurde.  Der Markgraf hatte vollstes Verständnis für seinen Sekretär und ermutigte ihn sich die Nonne zur Frau zu holen, wenn es sein und auch ihr Wunsch sei. Er sicherte ihm seine vollste Unterstützung zu. So kam es also, dass der Sekretär sich einen Plan überlegte, wie er seine Nonne aus dem Kloster befreien konnte. Eine Komplizin fand er in der Bäckersfrau. Sie hatte Zugang zum Kloster, weil sie jeden Tag Brot und Backwaren dort hin lieferte. Durch sie lies er seine Nonne fragen, ob sie ihn zum Mann nehmen und mit ihm flüchten wolle. Die Nonne bejahte und der Sekretär bereitete alles für die Flucht vor. Auch hierbei fand er wieder Hilfe bei der Bäckersfrau. Es wurde eine Strickleiter in einen Kuchen eingebacken und die Bäckersfrau lies diesen der Nonne zukommen. Als der Zeitpunkt in einer bewölkten Nacht günstig war, warf die Nonne die Strickleiter über die Klostermauer und kletterte hinab. Unten wartete schon der Sekretär mit zwölf Husaren auf sie. Überaus glücklich fielen der Sekretär und die Nonne sich in die Arme und fuhren dann in einer Kutsche davon. Als die Flucht der Nonne entdeckt wurde, läuteten die Glocken Sturm.  Die Geflohenen waren aber schon außer Reichweite, so dass die Häscher sie nicht mehr einholen konnten. Außerhalb des Gebiets von Abenberg konnten sie auch nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden. So heirateten die beiden in Ansbach. Die Nonne lies in ihrem Haus eine Zelle einbauen. Jedes Jahr am Jahrestag ihrer Entführung und Befreiung gedachte sie in Nonnentracht diesem Ereignis und bat Gott um Verzeihung, Dankte ihm aber auch gleichzeitig für diese glückliche Fügung.

Das Kloster Marienburg in Abenberg gibt es selbstverständlich heute noch und wird auch heute noch von Schwestern bewohnt. Es gibt beim Kloster eine Schule, das Schwesternwohnheim, sowie die Kirche St. Peter, die das Grab der seligen Stilla birgt. Wenn man mal in der Nähe ist, dann ist der Besuch der massiven Anlage sicherlich einen Besuch wert.

JK – 05/03/2020

Quellenangaben:

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Wilhelm_Friedrich_(Brandenburg-Ansbach)

Robert Unterburger, Sagen aus dem Landkreis Roth, S. 32, „Die entsprungene Nonne“

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