Die Hilpoltsteiner Burgmönche

Liebe Leserinnen und Leser,

wir befinden uns heute wieder einmal im wunderschönen Hilpoltstein. Aber nicht wie wir es heute kennen. Nein, wir begeben uns zurück ins 18. Jahrhundert.…

Es war der Weihnachtsabend 1708. Die beiden Mönche Jacobin und Lorentz hatten sich ihre Bäuche mit zünftigem Essen und dem ein oder anderen Krug Bier gefüllt. Selbstverständlich durften sie über den weltlichen Genuss hinaus aber auch ihre geistlichen Pflichten nicht vernachlässigen. So begaben sie sich also auf den Weg zur Abendmesse, die in der Burgkapelle stattfinden würde. Draußen war es bereits sehr dunkel, der Vollmond schien und die Kerzen in den Laternen am Wegesrand spendeten ihnen dämmriges Licht auf dem schneebedeckten Weg. Sie hatten beim Essen die Zeit vergessen, so dass sie nun schon recht spät dran waren. Jacobin schmeckte es nicht nur am heiligen Abend recht gut, auch ansonsten war er kein Kostverächter, was zur Folge hatte, dass er einen kleinen Kugelbauch vor sich hertrug. Die Steigung am Burgberg bereitete ihm deshalb immer ein wenig Schwierigkeiten, so dass sie also nur langsam vorwärts kamen. Im spärlichen Schein der Burglaterne am Burgtor blieben sie stehen, um zu verschnaufen. Jacobin stützte seine Hände auf seine Oberschenkel und keuchte „Ich kann nicht mehr, mir ist ganz schwummrig.“ „Möglicherweise hätten wir etwas weniger Essen und Trinken sollen.“ entgegnete Lorentz. Da brach Jacobin plötzlich zusammen. „Jacobin, was hast du?“ Lorentz beugte sich über seinen Bruder, aber dieser war bewusstlos. Lorentz eilte so schnell es ging zum Mesnerhaus, damit ihm jemand helfe. Außer Atem berichtete er dem Mesner Eberhart, was geschehen war. So gleich zog dieser sich seinen Mantel über und die beiden Männer machten sich wieder auf den Weg zurück zum Burgtor. Als sie um die Ecke zum Burgweg bogen, war Lorentz wie vom Blitz getroffen. Sein Mönchsbruder, den er eben zurück gelassen hatte, lag nicht mehr da. „Was geht hier vor? Er lag genau dort oben unter dem Burgtor.“ Mesner Eberhart sagte sich „Nunja, vielleicht ist der gute, alte Jacobin wieder aufgewacht, es ging ihm besser und er ist schon mal in die Messe gegangen.“ „Aber nein, Eberhart, so glauben sie mir doch, er war bewusstlos, als ich los lief, um Hilfe zu holen.“ Die beiden Männer gingen den Burgberg hoch, bis zu der Stelle, an der Jacobin gelegen hatte. Wie erstarrt blickten Lorentz und der Mesner Eberhart auf den Boden. Dort sahen sie einen Blutfleck und eine blutige Schleifspur. Die Schleifspur führte ins Kellergewölbe. Lorentz und Eberhart wechselten stumm Blicke. Eberhart zog sich die Kapuze seines Umhangs über den Kopf, dann schritten die beiden vorsichtig vorwärts und folgten der Schleifspur in die unterirdischen Gänge, die zur Burg gehörten. In den unterirdischen Gewölbegängen war es feucht und dunkel. Eberhart hatte eine Laterne dabei. Die beiden suchten in jedem der unterirdischen Räume nach Jacobin, aber sie fanden ihn nicht. Plötzlich hörte man einen lauten Knall, das Zuschlagen einer Tür. Von da an, war keiner der drei Männer jemals wieder gesehen. Die Schleifspur und der Blutfleck aber, sind noch heute am Kellereingang der Burg zu sehen…

Geschrieben in Anlehnung an „Sagen aus dem Landkreis Roth, Robert Unterburger, S. 147, Die verschwundenen Mönche (Müller)“

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