Was Frieden mit Mauern zu tun hat?

Was Frieden mit Mauern zu tun hat?

„Worte können Fenster sein, oder Mauern“ das sagt Marshall B. Rosenberg. Und da hat er wohl recht. Wenn es um Frieden geht, sollten wir gut überlegen, wie wir Worte wählen, denn unsere Worte verleihen uns große Macht und somit auch große Verantwortung. Wir selbst können entscheiden, ob wir unsere Worte so wählen, dass sie Fenster sind, die vielleicht sogar geöffnet sind, oder aber Mauern. Aber zunächst möchte ich einmal fragen: Was ist denn das Wesen von Fenstern und Mauern? Fenster sind klar und durchsichtig, wir können durch sie hindurchschauen und sehen, was auf der anderen Seite des Fensters ist. Wir können uns auch in ihnen spiegeln und uns so selbst betrachten, bzw. uns und unsere Umgebung aus einer anderen Perspektive wahrnehmen. Wir können Fenster auch öffnen, um frische Luft zu uns herein zu lassen oder mit anderen Menschen und unserer Umwelt in Kontakt treten. Unter Umständen kann man sich sogar über ein Fenster Zutritt zu einem Gebäude verschaffen. Mauern sind undurchsichtig, abgrenzend, trennend, massiv. Sie können uns Schutz bieten und andere von uns fernhalten, sie können aber auch uns von anderen und der Welt fernhalten. Mauern können eine wichtige Funktion haben. Denken wir an das Mittelalter, an die Burgen und Stadtmauern. Es kam immer wieder vor, dass eine Stadt oder eine Burg angegriffen wurde und kein Frieden herrschte. Die massiven Mauern schützten die Bewohner vor Angriffen und gaben ihnen die Chance sich zu verteidigen. Sie hielten die Angreifer davon ab, weiter einzudringen und Unheil anzurichten. Das heißt, in diesem Fall waren die Mauern ein Segen, bzw. entscheidend, um zu überleben. In der Bibel steht geschrieben „Der Herr ist mein Fels und meine Burg und mein Erretter“ (2. Sam. 22,2) Gott gibt uns also Schutz, Sicherheit und Halt und rettet uns, im Sinnbild von massivem Gestein einer Burg oder eines Felsens gesprochen.

Psalm 34, 15: „Suche Frieden und jage ihm nach.“

Was ich damit sagen will ist, dass weder Fenster noch Mauern per se gut oder schlecht sind. Beides hat wichtige Funktionen. Ob unsere Worte nun also Fenster oder Mauern sein sollten, hängt von der individuellen Situation ab. Manchmal ist es vielleicht nötig, dass wir unsere Worte wie Mauern gebrauchen, um uns zu schützen, unsere Grenzen deutlich zu machen und Angriffe abzuwehren. Wenn wir dies getan haben, sollten wir dann aber auch wieder ein Fenster bieten, das Offenheit zulässt, uns nicht voneinander trennt und uns die Möglichkeit zu positivem Kontakt ermöglicht.

„Frieden bedeutet, mit sich, den Menschen und mit Gott im Reinen zu sein“. Das biblische Verständnis von Frieden ist nicht nur das Fern sein von Krieg, sondern umfassendes Glück, Gesundheit und Wohlergehen, ein gelungenes Leben in gelungenen Beziehungen. Wollen wir also gelungene Beziehungen leben, so schenken wir unseren Mitmenschen öfters unsere offenen Fenster und wir werden erleben können, wie es uns verbindet.

Was unsere realen Mauern anbelangt, sei es unsere gut erhaltene Stadtmauer oder die zahlreichen historischen Gebäude der Städte, ist es von großer Bedeutung, dass diese auch noch für unsere Nachwelt erhalten bleiben. Denn sie sind ein lebendiger Teil Geschichte, sie sind Zeugen für Krieg und Frieden, für Schutz und Sicherheit und sollen uns, unsere Kinder und Enkelkinder und deren Kinder mit ihrer Präsenz daran erinnern.

In diesem Sinne schließe ich mit den Worten aus Psalm 34, 15: „Suche Frieden und jage ihm nach.“

JK

 

 

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